Beauty is the beast
27. Februar 2019

Ich erzähle Euch eine Geschichte. Die Geschichte vom Kindesmord.

Und als geschah, was der König befahl, machte sich ein Geständnis im Lande breit, laut ausgesprochen zu werden. Diejenigen, die das Gesetz zuerst traf, schworen einen Eid, ihrer Trauer einen Brief mitzugeben und sie Gott zu empfehlen. Und sie riefen:

Ich werde hinübergehen
Und schrei ́n, laut schrei ́n
Und meinen Vater rufen
Und ein Geständnis vorbringen.
Ich werde aufste ́n im Feuer
Und meine brennenden Hände in den Schnee legen
Den Bäumen die Äste brechen
Und verkünden, woher ich gekommen bin
Und wohin ich gehe,
ich gehe soweit bis mich keiner mehr einholen kann mit schmutzigen
Schuhen und leeren Augen.


Die Geschichte vom Kindesmord ist zeitlos.Das Aufbegehren gegen den Tod hingegen das, was unser Zeitempfinden ausmacht. In jeder Generation versucht der Mensch unsterblich zu sein, das schafft Identität.


In meiner Bildergalerie blicken mal gruppiert, mal vereinzelt, mal vereinsamt Figuren aus ihren
zeitlichen Rahmen in den Innenraum des Cafe Wagners. Sie sind Teil eines nachmittäglichen Tratsches, einer gefüllten Theater- oder Filmvorstellung; mal eindringlichen Blickes, mal abgewandten Rückens. Sie sind Protagnisten ihrer eigenen Geschichte. Antigone, der kleine Lord, Klaus Kinski. Mit oder ohne Namen, in Zuständen. Figuren der (Un)sterblichkeit.
Und der meinigen, denn sie wuchsen mit Kreide in meinem Zimmer heran, lebten eine Weile mit mir zusammen und bringen nun ihr individuelles Geständnis in die Welt hinaus.
Je nachdem, was du sie sagen hörst. Was sie dir erzählen.

Ich bin Nastasja, 22 Jahre, ich erzähle euch eine Geschichte. Die Geschichte von Figuren, die reden, schweigen, schreien, gestehen. Denn…die Grenze ihrer Sprache sind die Grenzen ihrer Welt. Das gilt für jeden von uns. Wenn du das anders siehst, erzähl es mir!