erwägungen
19. April 2015
Grenze & Sicheres Herkunftsland
26. Januar 2016

14.06. bis 10.08. 2015

 

Ciao Frittatine! Nach dem durchschlagenden Erfolg der von uns im letzten Jahr gezeigten Ausstellung über das kreativ brodelnde Streetart-Mekka Barcelona findet ihr nun diesen Sommer einen weiteren fotografischen Einblick in die Werke „unsichtbarer“ Künstler_innen aus Südeuropa an den altehrwürdigen Wänden des Café Wagner.

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Ein verheißungsvolles Klappern geschüttelter Graffitticans läutet den Beginn der Reise ein, der spiralartig verwirbelte Strudel zweier frisch gemischter Farbtöne im Rühreimer zieht uns hinab und spuckt uns über 1000 km weiter südlich wieder aus, wo wir durch die sauber geschnittenen Löcher im Stencil die Silhouette einer der – in vielerlei Hinsicht – interessantesten Städte Italiens erspähen.

NAPOLI – Millionenstadt mit Chaosfaktor 10⁵, welcher genug Spielraum für fast alles eröffnet: Hier kauft die Polizei ihre Schuhe noch selbst auf dem Fälschermarkt, gegen den sie am nächsten Tag vorgeht. Während draußen vor der Tür eine mehrere 1000 Menschen zählende Arbeitskampf-Demo vorbeizieht, schlägt der Chef der Pizzeria drinnen seine Angestellten wenn ihm danach ist. Zu Silvester kann es schon mal vorkommen, dass der reichlich kokainierte Nachbar nicht zwischen Feuerwerkskörper und scharfer Gewehrmunition unterscheiden kann oder seine selbstgebauten Megaböller geparkte Autos zum Explodieren bringen. Und über allem thront ‚o vesuvio, der jederzeit dem ganzen Treiben unvermittelt den Garaus machen könnte.

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Im speziellen Klima dieses faszinierenden Molochs mit einer mehrere tausende Jahre alten Geschichte entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten eine umtriebige Streetartszene, die seither die stetig zerbröckelnden Mauern der Stadt belebt – egal ob politisch radikal, tiefsinnig, just-for-fun, bisweilen auch dystopisch oder obszön. Einige Gassen mitten in der historischen Altstadt sind heute eher zur Hall-of-Fame mutiert, was mittlerweile auch die Stadtoberen als Sehenswürdigkeit erkannt haben – und folgerichtig eine aus szene-nahen Kreisen initiierte Guided-Streetart-Tour finanziell unterstützen. Doch auch abseits der Innenstadt, teilweise sogar in den ländlichen Regionen Kampaniens lassen sich hier und da überraschende Kunstwerke neapoletanischer Künstler_innen finden. Und wo das Geld fehlt (oder in mafiösen Sickergruben verschwindet…) um die Infrastruktur in Schuss und den ÖPNV am rollen zu halten, da fehlt es zum Glück auch für
Wachpersonal und die Reinigung besprühter Züge – zur Freude von Trainwriter_innen und einschlägig-kunstaffinen Fahrgästen.

Big Blessings an alle, die in dunklen Nächten Farbe an Neapels Wände bringen! Grazie a Alice Pasquini, Arp, C215, CLET, C_ME, Cyop, Diego Miedo, Fake Art, Gola, Ema Jons, Kaf, KTM, Marvin Crushler, Psiko Patik, Raro, Rezor, Ryan, Stas Dobry, TRS, UNS, Zolta e tutti gli altri…

Und ganz speziellen Dank an CRL, PET, Dr. Schulz & Holy Mountain Cow!

Für Interessent_innen die dem italienischen mächtig sind sei hier noch die 2013 erschienene Kurzdoku „Street Heart“ erwähnt, welche die Streetart Neapels in den Fokus rückt.

Kontakt: mostra_fritta@Safe-mail.net