Do 08.10.

20:00 Uhr

Jazzmeile Thüringen: Zeitzeugenforum und Konzert – JENA IN DEN 80ER JAHREN: DER JAZZ UND DIE STAATSMACHT


ZEITZEUGENFORUM  UND KONZERTABEND
JENA IN DEN 80ER JAHREN: DER JAZZ UND DIE STAATSMACHT

In diesem Jahr feiert der Jenaer Jazzclub „Jazz im Paradies“ sein 35-jähriges Bestehen. Da trifft es sich gut, dass der Musikwissenschaftler und Jazzforscher Martin Meusinger kürzlich in seiner Masterarbeit an der Weimarer Hochschule für Musik die Jenaer Szene um „Jazz im Paradies“ in den 80er Jahren analysiert hat.
Er untersucht die damaligen Entwicklungen im Kontext der DDR-Kulturpolitik und macht am Beispiel von „Jazz im Paradies“ nachvollziehbar, wie sich trotz des Widerstandes staatlicher Stellen vor allem in den Universitätsstädten Jazzfans zusammen fanden und letztlich zu Veranstaltern ihrer Musik wurden.

im Anschluss Konzert mit JAILBREAK

Peer Salden – cl, sax
Ronny Kerl – g
Rudolf Kuhl – sax
Harald Seidel – b
Gerd Wittig – dr

Den Konzertteil des Abends bestreitet eine Band, deren Mitglieder zum Teil Zeitzeugen der Jazzszene der  80er Jahre sind. So ergibt sich eine sehr passende musikalische Ergänzung.
„Jailbreak“ kommt aus Greiz. Inspiriert durch Kompositionen u.a. von Eric Dolphy, John Coltrane und Charles Mingus, aber auch durch arabische, afrikanische und asiatische Folklore entwickelt „Jailbeak“ spannungsvolle Klangbilder. Meditatives und Grooviges – treibende Rhythmen und eruptive Improvisationen, ein Mix, der keine Diskussionen über Stilrichtungen braucht.
Die Liebe zum Jazz, Spielfreude, Spontanität, Risikobereitschaft und der Ausbruch aus Erwartetem – das ist „Jailbreak“!

Presse: OTZ
Warum eigentlich jailbreak, der englische Begriff für Gefängnisausbruch? Es geht ums Mauern überwinden, „um die Mauern in uns“, erläutert Rudolf Kuhl den Bandnamen, den Ronny Kerl geprägt habe. „Es ist eine Ein¬ladung zum Ab¬legen von Gewohnheiten“, fügt Peer Salden hinzu. Sollten sie mal von der Justizvollzugs¬anstalt Hohen¬leuben zu einem Konzert ein¬geladen werden, spielen sie da gern, sagen die musikalischen Ausbrecher.

Ihren stilistischen Weg haben „Jailbreak“ so genau noch nicht gefunden. Sie seien noch auf der Suche und sie tun sich schwer mit „Schubladen“, sagen die Fünf, die sich einmal wöchentlich zur Probe treffen. Sicher habe man Vor¬bilder wie die Amerikaner Ornette Coleman, John Coltrane oder Eric Dolphy. Strömungen wie Free Jazz und Modern Jazz sind es, von denen sich Kerl, Kuhl & Co. in¬spirieren lassen. Experimentiert wird allerdings auch mit Funk oder Fol¬klore vom Balkan. „Das Schöne am Jazz ist, dass man da un¬wahrscheinlich viel Spielraum hat, dass man sehr spontan sein kann“, sagt Peer Salden. Und: „Jeder von uns bringt seine eigenen Facetten rein. In unserer Musik menschelts. Es ist Musik, die passiert.“ Eindeutig ist lediglich, was „Jailbreak“ nicht will, nämlich musikalische Routine und kommerziellen Jazz.

ZEITZEUGENFORUM „JAZZ UND DIE STAATSMACHT IN JENA IN DEN 1980ER-JAHREN“
„Jedoch zeigt sich, daß sich in diesem Klub Personengruppen etablieren, die gegensätzliche Meinungen vertreten. […] Es handelt sich nicht nur um Einzelpersonen, sondern um ganze Gruppen, die sich zu solchen Veranstaltungen treffen und gezielt und an solchen Abenden provokatorische oder in ihrem Sinn liegende Diskussionen und Gespräche unter den anwesenden Personen führen. Ebenso verkehren zahlreiche und vielen bekannte Ausreiseantragsteller und ihre Freunde im Klub. […]”
Auszug aus einem Antrag auf Auflösung des Studentenklubs “Jazz im Paradies”, November 1982.
Die DDR und der Jazz – oft kein unproblematisches Verhältnis. Jazzfans, in den 60er-Jahren noch als „jugendliche Gruppierungen mit westlicher und dekadenter Lebensauffassung“ abgestempelt, hielt die Haltung der Staatsmacht allerdings kaum davon ab, ihrer Musik zu frönen. Die Jazzszene – eine „gut organisierte Minderheit“ (Rainer Bratfisch) – bestehend aus Musikern, Fans und Veranstaltern existierte überall in der DDR; so auch in Jena.

Der Jenaer Jazzclub „Jazz im Paradies e.V.“ lädt zu einem Vortrags-, Gesprächs- und Konzertabend am 08. Oktober 2015 ins Café Wagner ein.

Anlass hierzu ist eine Masterarbeit, die sich mit der Jenaer Szene um den ehemaligen Studentenklub „Jazz im Paradies“ in den 1980er-Jahren, der DDR-Kulturpolitik und dem Verhältnis des SED-Regimes und seiner ausführenden Organe in Bezug auf die Jazzszene des Landes auseinandersetzt und durch den Musikwissenschaftler und Jazzforscher Martin Meusinger an der Hochschule für Musik FRANZ LISZT angefertigt wurde. Durch Zeitzeugeninterviews konnten an den Leitfaden der Geschichte des Jenaer Jazzclubs geknüpft Innenperspektiven der Jazzfanszene und Auswirkungen von strenger Kulturreglementierung, Unverständnis durch zuständige Institutionen und Überwachungswahn von Staatssicherheit und Staatsapparat gewonnen und aufgearbeitet werden.

Diesen Erkenntnissen wird aufgrund ihres Abstraktionspotenzials auf Mechanismen des SED-Apparates und dem Lebensgefühl auch anderer jugendkultureller Szenen in der DDR anlässlich des Jubiläums eine Plattform mittels einer Diskussions- und Gesprächsveranstaltung mit dem Autor, Zeitzeugen und weiteren Gästen geboten.
Als Zeitzeugen für die Podiumsdiskussion wurden Thomas Eckardt (Jazz im Paradies e.V, LAG Jazz in Thüringen), Roland Jahn (Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR), Ulli Blobel (Jazzwerkstatt Peitz) und Heiner Kaiser (Jazz im Paradies) angefragt.
Die Veranstaltung richtet sich sowohl an die Freunde, Förderer und Mitglieder von „Jazz im Paradies e.V.“ als auch an die politisch-historisch interessierte Öffentlichkeit und insbesondere an eine Generation, die DDR und Staatssicherheit nur aus Geschichtsbüchern kennt. Der Gesprächsrunde folgt ein Jazz-Konzert. Der Jenaer Jazzclub „Jazz im Paradies e.V.“ feiert in diesem Jahr sein 35-jähriges Bestehen.


Eintritt: t.b.a. / t.b.a.


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